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Havelstädtische Graffiti-Künstler sind aufgerufen beim Wettbewerb teilzunehmen
Frischer Wind mit neuen Ideen hält im Brandenburger Theater Einzug: Das Musiktheaterprojekt „Mimi" setzt in der Gegenwart an und richtet sich an ein jugendliches Publikum, das unter Umständen noch keine Erfahrungen mit Musiktheater gehabt hatten. Das Konzept soll durch junge Sängerdarsteller, die glaubhaft wirken und sich mit Problemen auseinandersetzen, die für die Jugendlichen heute relevant sind, überzeugen, ist sich Theatersprecher Andreas Kiepert sicher. „Musikliebhaber und Freunde des Belcanto lässt dieser Konzeptionsansatz gleichwohl voll auf ihre Kosten kommen, denn musikalisch geht es ganz um die Originalmusik, berühmte Arien und Duette aus Puccinis legendärer Oper `La Bohème´“, resümiert Kiepert.
Traditionell handelt die Oper „La Bohème“ aus dem 19. Jahrhundert. Die Neuauflage im Brandenburger Theater hingeben soll in die heutige Zeit den Jugendlichen hineinversetzen lassen und ansprechen, die noch keine Erfahrungen mit dem Musiktheater haben.
Um dieses verwirklichen zukönnen, soll für das Bühnenbild auch ein ganz besonderes Projekt zuvorgreifen: Bühnenbildner Rainer Stute ruft zusammen mit dem Brandenburger Theater junge Graffitikünstler der Stadt dazu auf, ein Bild (50x70 cm Größe) ganz nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten und sich dabei an dem Wettbewerb zu beteiligen.
 Die Künstler sind Marco Brzozowski (Fotorealistische Vorlage) und Guido Raddatz (Graffittistyle).
Zur Premiere der Oper sollen die eingereichten Werke im Foyer des Theaters ausgestellt und die besten Kunstwerke bekommt seinen festen Platz im Bühnenbild, wie Stute versicherte. Knapp vier Meter breite und fünf Meter hohe Wand aus Plexiglas ist von dem Künstler selbst mit seinem eigenen Bild versehen. „Bei diesem Wettbewerb gibt es keine spezielle Themenvorgabe“, betonte der Bühnenbildner. Die prämierten Bilder sollen, so Stute, bei der letzten Probe gemeinsam angebracht werden. Eine Bemalung der einzelnen Werke während der Vorstellungen wird es aus Kostengründen nicht geben, betonte Kiepert.
"Mimi - Musiktheater für Jugendliche", eine "einaktige deutsche Neufassung" von Puccinis "La Boheme", die der Feder von Regisseur Konrad Christian Göke entstammt. Göke will nicht weniger als an den großen Erfolg seiner ersten Brandenburger Boheme-Inszenierung Anfang der 90er-Jahre anknüpfen. Schon damals hatte er eine Kurzfassung der Oper zu musikpädagogischen Behuf geschaffen, die im Original in vier Bildern aufgeführt wird. Gökes Neufassung soll wie damals mit vier Gesangssolisten und einem Schauspieler als Erzähler auskommen, ohne Chor, aber mit vollem Orchester, mit "allen Hits" (Keßler). Aber in einem Bild. Chef-Symphoniker Michael Helmrath hat die musikalische Leitung. Sonst dürften die Brandenburger Opernfreunde sich auf vier Bilder einer vollständigen "Boheme" freuen.
Künstler, Lebenskünstler, Hungerkünstler … Man kann Kunst studieren. Ist man dann ein Künstler? Künstler, jeder kann sich so nennen, oder wie Karl Valentin vor sich hinbrummelte: „Dies Geschwätz von Kunst. Wenn man Kunst kann, ist Kunst machen keine Kunst, wenn man´s nicht kann, auch nicht!“ Puccinis „La Bohème“, die große Liebesgeschichte des Schriftstellers Rodolfo und des Malers Marcello, beide sehen in ihrer Kunst den Sinn, das Unerlaubte, das Undenkbare, das vielfach Ersehnte, sichtbar, hörbar, fühlbar und vielleicht realisierbar zu machen. Beide auf der Suche nach ihrer eigenen Handschrift, auf der Jagd nach dem Leben. So kommen sie zusammen, Marcello mit Musette, der schillernden Halbweltdame und Rodolfo mit Mimi, diesem Landei in der Großstadt, das gierig das Leben, die große alles verzehrende Liebe sucht und in sich das verzehrende Feuer der sie zerstörenden Krankheit spürt. Die Schaulustigen am Straßenrand schauen diesem Leben zu, wie dem Unfall auf der Autobahn. Steigen Künstler wie Ikarus der Sonne entgegen, dann hört man sie schon sagen: „… das kann ja nicht gut gehen“ und man spürt die heimliche Freude am Sturz aus der Höhe. (Konrad Chr. Göke, Juni 2009)
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